Bangladesch: Gesundheits- und Quartierentwicklungs-Programm

Armut bekämpfen heisst junge Frauen ausbilden und ihre Stellung verbessern. Dies geschieht im Gesundheits- und Quartierentwicklungs-Programm von YWCA Bangladesch.

Hintergrund und Programmumfeld

Unterstützt durch ein anhaltendes Wirtschaftswachstum hat Bangladesch in den letzten 16 Jahren beachtliche Fortschritte in der Armutsbekämpfung gemacht. So konnte die Armut gemessen an der internationalen Armutsgrenze von USD 1,90 pro Person und Tag von 44.2% im Jahr 1991 auf 14.8% im Jahr 2017 reduziert werden. Gleichzeitig sind die Lebenserwartung, die Alphabetisierungsraten und die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf deutlich gestiegen. Bangladeschs Wirtschaft gehört dank eines stabilen makro- und exportorientierten, industriegetriebenen Wachstums zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt¹. Das schnelle Wachstum hat es Bangladesch im Jahr 2015 ermöglicht, den Status eines Landes mit niedrigem mittlerem Einkommen zu erreichen. Im Jahr 2018 hat Bangladesch erstmals alle drei Zulassungskriterien für eine Streichung aus der Liste der Entwicklungsärmsten Länder der Vereinten Nationen erfüllt und ist auf dem Weg zum Vollzug der Streichung im Jahr 2024².


Das Land befindet sich an einem Punkt, an dem es innerhalb der mittleren Einkommensschicht aufsteigen kann. Die Weltbank hat die Schaffung von Arbeitsplätzen zur obersten Entwicklungspriorität des Landes erklärt. Bangladesch muss mehr und bessere Arbeitsplätze schaffen, um die Probleme im Zusammenhang mit der steigenden Jugendarbeitslosigkeit und dem informellen Charakter der Arbeitsplätze zu bewältigen. Grosse Hindernisse, wie ungenügenden Zugang zu erschwinglicher Energie, die schlechten Verkehrsinfrastruktur und der begrenzten Verfügbarkeit von Land, müssen in kurzer Zeit bewältigt werden.


Trotz Entwicklungsfortschritten leben noch immer 24 Millionen Menschen in Bangladesch unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 USD pro Kopf pro Tag³. Die hohe Bevölkerungsdichte, die steigende Urbanisierung, Klimakatastrophen, mangelhafte Gesundheitsversorgung und Bildung und die männerdominierte Kultur sind Schwierigkeiten, von denen gerade die ärmste Bevölkerungsschicht am meisten betroffen ist.

Zielgruppen

Das Gesundheits- und Quartierentwicklungs-Programm (Health and Community Development Programm HCDP) erreicht jährlich 10‘000 junge Frauen aus den Armenquartieren von 7 Städten. Die jungen Frauen erhalten Ausbildungen in den Bereichen Gesundheit, Gleichberechtigung, Geschlechtergerechtigkeit, Frauenrechte, Einkommensbeschaffung und Umweltbewusstsein.

Ziele

Das HCDP strebt eine nachhaltige Lebensgrundlage, eine gute Gesundheit der Begünstigten und gesicherte Frauenrechte an. Junge Frauen engagieren sich in Gruppen zu den Themen Gesundheit, Geschlechtergerechtigkeit, Einkommensförderung und Umweltschutz in ihrem Umfeld und in Netzwerken der Gemeinden. Die Jugendlichen kennen ihre Rechte und fordern diese ein. Sie sind befähigt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und haben Perspektiven.

 

¹http://documents.worldbank.org/curated/en/269241554408636618/Bangladesh-Development-Update-Towards-Regulatory-Predictability
²http://www.worldbank.org/en/country/bangladesh/overview
³http://www.worldbank.org/en/country/bangladesh/overview

Aktivitäten & Wirkung

Organisationsentwicklung, Frauen- & Nachwuchsführungskräfte

Die vierzigjährige Erfahrung von YWCA Bangladesch und die Erfolge zeigen, dass Frauenorganisationen einen existentiellen Beitrag zur Geschlechtergleichstellung leisten. Dabei stehen die Mobilisierung und Befähigung der Frauen, ihre Rechte zu kennen und sie einzufordern, im Fokus.

Aktivitäten
  • Soziale Entwicklungsaktivitäten
  • Leadership-Seminaren/ -Workshops
  • 13 verschiedene „International Women’s Day-Events“
  • 13 Seminare zur Gleichstellung
Wirkung
  • Durch Lernen und Umsetzen des Gelernten helfen sich Frauen selber und werden zu führenden Advokatinnen ihrer Rechte.
  • Sie nutzen die Angeboten zum Austausch ihres physischen Befindens, ihrer sozialen, intellektuellen und spirituellen Erfahrungen und Fähigkeiten.

Soziale, gesundheitliche und sexuelle Rechte der Frauen

Die rechtliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Bangladesch ist Auslöser für die Benachteiligung und Armut der Frauen in Bangladeschs Gesellschaft. Der unermüdliche Einsatz für die Rechte der Frauen ist Kernaufgabe von YWCA.

Aktivitäten
  • Seminare und Workshops zu „reproduktive Gesundheit“
  • Kurse betreffend HIV/AIDS
  • 900 Anlässe zu den Themen Brust- und Gebärmutterkrebs
  • Frauen werden über ihre Rechte und Geschlechtergleichheit aufgeklärt
Wirkung
  • Stärkung der sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Rechte der Frauen sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Umfeld.
  • Die Gesellschaft ist sensibilisiert für übertragbare und vermehrt auftretende Krankheiten (z.B. Brust- und Gebärmutterkrebs).

Wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen

Alle zwei Wochen treffen sich die Mikrokredit-Gruppen, um die Spareinlage (30 Rappen bis ca. 1 Franken) einzuzahlen. Die Zusammenkünfte sind wichtige Diskussions- und Weiterbildungsforen. Gleichzeitig bilden sich die Frauen in folgenden Themen weiter: Gesundheits- und Kindererziehung, Hygiene, Frauenrechte, frühe Verheiratung oder häusliche Gewalt. Durch das gemeinsame Lesen und besprechen der aktuellen Medien lernen die Frauen, werden sich ihrer eigenen Situation bewusst und stärken zugleich ihre Führungsqualitäten.

Aktivitäten
  • Diskussionsrunden zu Sparen und Kreditvergabegruppen
  • Frauen und Männer aus YWCA-Spargruppen beteiligen sich an Gruppentreffen
  • Mikrokredite in Höhe von CHF 1’650‘000.- werden an Gruppenmitglieder vergeben
  • Mitarbeitende absolvieren Jobtrainings, Workshops, Seminare
Wirkung
  • Aufbau von technischem und marktbezogenem Wissen befähigt Mitglieder Einkommen zu generieren und damit ihre Armut einzudämmen.
  • Frauen der Randgruppen haben Zugang zu Krediten mit vergünstigten Konditionen, um ihre Geschäftsprofitabilität zu unterstützen.
  • Förderung, Weiterbildungen und Unterstützung beim Finden und Bewerten von Geschäftsideen steigern die Chancen von arbeitslosen Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Demokratie und verantwortungsvolles Führen

Alle zwei Wochen treffen sich die Mikrokredit-Gruppen, um die Spareinlage (30 Rappen bis ca. 1 Franken) einzuzahlen. Die Zusammenkünfte sind wichtige Diskussions- und Weiterbildungsforen. Gleichzeitig bilden sich die Frauen in folgenden Themen weiter: Gesundheits- und Kindererziehung, Hygiene, Frauenrechte, frühe Verheiratung oder häusliche Gewalt. Durch das gemeinsame Lesen und besprechen der aktuellen Medien lernen die Frauen, werden sich ihrer eigenen Situation bewusst und stärken zugleich ihre Führungsqualitäten.

Aktivitäten

Mitglieder nehmen an den 45 Events zu „Demokratie & verantwortungsvolles Führen“ teil.

Wirkung
  • Das kulturell bedingte Gender-Gleichstellungsdefizit wird basisorientiert angegangen: 
    Frauen werden sensibilisiert und befähigt, ihre Stimme zu erheben und in Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Sie verbessern somit ihre Lebenssituation und tragen zur Entwicklung der demokratischen Werte bei.
  • Teilnehmende erhalten eine soziale Absicherung in Form von Altersvorsorge oder Stipendien.
  • Mitgliedergruppen sind bei der Budgeterarbeitung der Verwaltung beteiligt.

Sensibilisierung und Prävention im Bereich Klimaveränderung

Gesetzlich festgelegte Umweltrechte bedeuten Zugang zu unberührten natürlichen Quellen, die ein würdiges Leben erlauben. Dazu gehört Land, Wohnmöglichkeit, Essen, Wasser und Luft. In Bangladesch sind diese Umweltrechte vor allem für arme Menschen und Randgruppen aufgrund von Katastrophen, Umweltzerstörung und Klimaveränderungen massiv beeinträchtigt. Das YWCA-Programm zur Umweltgerechtigkeit stärkt das Bewusstsein für diese Diskriminierung und im Besonderen das Bewusstsein für den Umweltschutz.

Aktivitäten
  • Aufbau von Latrinen und Brunnen
  • Bereitstellung von Setzlingen und Pflanzen für Schulen, Kinder, Studenten und Zivilbevölkerung
  • Veranstaltungen zu Umweltschutz, Katastrophenhilfe und Klimaveränderung
  • Kundgebungen zum Thema Klimaveränderungen, um die Gesellschaft zu sensibilisieren
  • Sensibilisierungs-Material, Aufbau sozialer Netzwerke mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen auf lokaler und nationaler Ebene, Erarbeiten von gemeinsamen Massnahmen
Wirkung
  • Stärkung von Kompetenz, Kapazität und Massnahmen der Behörden und Einwohner, um Umweltverschmutzung und Katastrophenrisiken zu reduzieren.
  • Jugendgruppen und Schüler werden als Akteure und Change-Leader beim Informieren und Sensibilisieren über nachhaltige Umwelt- und Klimapolitik aktiv.

Resultate (2018)

Organisationsentwicklung, Frauen- & Nachwuchsführungskräfte

  • 2‘196 Frauen beteiligten sich aktiv an sozialen Entwicklungsaktivitäten.
  • 539 Frauen nahmen Leadership-Seminaren/ -Workshops teil.
  • 2‘189 Frauen besuchten die Veranstaltungen im Rahmen des „International Women’s Day in den 13 verschiedenen lokalen YWCA Niederlassungen.
  • 3‘038 Frauen besuchten einen Workshop zur Prävention von Gewalt gegen Frauen.

Soziale, gesundheitliche und sexuelle Rechte der Frauen

  • 4‘968 Frauen nahmen eine aktive Rolle in Familienentscheidungen ein bezüglich der Einschulung ihre Mädchen.
  • 2‘229 Mitglieder besuchten Seminare und Workshops zu reproduktiven Gesundheit.
  • 5‘000 Frauen absolvierten Kurse betreffend HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • An 273 Anlässen wurden 5‘406 Frauen über Brust- und Gebärmutterkrebs informiert.
  • In 6 Vorsorgeuntersuchungsprogrammen wurden 539 Frauen untersucht.
  • 3‘518 Frauen wurden über ihre Rechte und Geschlechtergleichheit aufgeklärt.

Wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen

  • 2‘641 Mitglieder einer Spargruppe haben ein Kleinunternehmen gegründet.
  • 21‘079 Frauen und Männer aus 1‘852 YWCA-Spargruppen nahmen an Gruppentreffen teil.
  • 6‘252 Frauen haben ihr Haushaltseinkommen gesteigert.
  • Mikrokredite in Höhe von CHF 4‘232‘448.- wurden an die Gruppenmitglieder vergeben.
  • 278 Begünstigte absolvieren Jobtrainings, Workshops und Seminare zum Thema Kleinunternehmertum

Demokratie und verantwortungsvolles Führen

  • 4‘968 Frauen wurden sensibilisiert und befähigt, ihre Stimme zu erheben und in Entscheidungsprozessen in der Familie mitzuwirken.
  • 1040 Teilnehmende haben eine soziale Absicherung in Form von Altersvorsorge oder Stipendien im Rahmen des Mikrokreditprogramms erhalten.
  • 4 Frauen wurden zu Gemeindevorsteherinnen in lokale Gremien gewählt.
  • 2‘127 Frauen nahmen an den 73 Anlässen zu „Demokratie und verantwortungsvolles Führen“ teil.

Sensibilisierung und Prävention im Bereich Umwelt und Klimaveränderung

  • 14‘041 Haushalte haben Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten
  • 12‘704 Haushalte benutzten die sanitären Anlagen
  • 56 Jugend-Umweltgruppen mit insgesamt 964 Teilnehmerinnen wurden gegründet
  • 1‘640 junge Frauen spielten eine aktive Rolle als Change-Leader für Umweltschutz
  • 802 Bäume wurden gepflanzt durch Schülerinnen der Gemeinde-Schulen.
  • 1‘550 Bäume wurden für Wiederaufforstung der Gemeinden an die Bevölkerung verteilt
  • 4‘800 Personen nahmen an Veranstaltungen zu Umweltschutz, Katastrophenhilfe und Klimaveränderung teil.
  • In 201 öffentliche Kundgebungen wurde die Gesellschaft zum Thema Klimaveränderungen sensibilisiert.

Standorte

Erfahrungsberichte

Bangladesch
"Willkommen im alltäglichen Wahnsinn"
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Engagement weltweit

Auf einen Blick

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Fakten zum Programm

Bezeichnung: Gesundheits- und Quartierentwicklung
Partnerorganisation: YWCA of Bangladesh (BGD)
Standort: Birisiri, Dinajpur, Gopalgonj, Jessore, Khagrachary, Khulna, Savar
Ziel: Bildung, Gesundheitsförderung und Einkommensbeschaffung für benachteiligte junge Frauen
Zielgruppe: 10'000 begünstigte junge Frauen aus den Slums von 7 Städten
Mittelbedarf 2019: CHF 280'000
Dauer: 2019-2020
Verantwortlich: Susanne Furler, susanne.furler at horyzon.ch

Ausstieg aus Bangladesch: Horyzon zieht sich nach über 30 Jahren Engagement per Ende 2020 aus dem Gesundheits- und Quartierentwicklungs-programm von YWCA Bangladesch zurück. Mehr Informationen

Fakten über Bangladesch

Hauptstadt: Dhaka
Einwohner: 165 Mio
Human Development Index: 0,608 (Rang 136.)
Lebenserwartung: 72,8 Jahre
Medianalter: 25,6 Jahre
Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jahre): 11.4%

Quelle: Human Development Report